Wer am Sonntagnachmittag in die Gesichter der U-18-Basketballer der Spielgemeinschaft TuS Bad Essen/BBC Osnabrück blickte, der sah vor allem eins: Enttäuschung. Dabei hatte Winfried Beckmann als Vertreter des Kreissportbundes jedem einzelnen von ihnen eine Silbermedaille um den Hals gehangen. Im Finale der Landesmeisterschaft musste sich das Team um Kapitän Moritz Deutschmann dem TSV Quakenbrück mit 51:66 (28:25) geschlagen geben. „Natürlich waren wir erst einmal geknickt, weil wir den Titel in eigener Halle holen wollten. Mit der Zeit wird aber jeder verstehen, welch großartiges Turnier wir gespielt haben und was wir über das Sportliche hinaus erreicht haben“, sagte Trainer Lars Herrmann.

Weit mehr als 100 Zuschauer hatten die Sporthalle der Oberschule am Samstagabend sowie in den K.o.-Spielen am Sonntag in einen Hexenkessel verwandelt. „Wir wollten unbedingt in der Oberschule spielen, weil wir wissen, welch großartige Stimmung dort entstehen kann. Die Unterstützung war phänomenal und viele Dezibel lauter als es bei regulären Spielen schon der Fall ist“, schwärmte der Coach.

Dabei startete die Spielgemeinschaft TuS Bad Essen/BBC Osnabrück mit einer Niederlage zum Auftakt. 40:53 (16:28) hieß es nach zweimal 15 Minuten Spielzeit gegen Quakenbrück. „Sie haben uns klar die Grenzen aufgezeigt“, mussten Herrmann und Frederik Hensel anerkennen. Da der QTSV auch Fortuna Logabirum im zweiten Vorrundenspiel keine Chance ließ, kam es am Abend zum entscheidenden Duell um den Einzug in das Halbfinale.

Die Gäste aus Leer setzten die ganzen 30 Minuten lang auf eine Zonenverteidigung. Erst nach sechs Minuten gelang Jonas Osterbrink der erste Korberfolg (2:7). Bad Essen/Osnabrück konnte zwei Minuten vor Schluss durch Dennis Medwedew erstmals ausgleichen (43:43), Osterbrink brachte sein Team mit einem Dreier kurz darauf in Führung (46:45). Beim Stand von 50:49 mussten die Gastgeber noch 24 Sekunden lang e verteidigen. Der letzte Wurf prallte vom Ring ab, der Jubel war riesig – allerdings noch kein Vergleich zu der Freude nach dem Sieg am Sonntagmorgen im Halbfinale.

Oldenburg hatte sich in der Vorrunde knapp gegen Wolfenbüttel durchgesetzt. Obwohl Bad Essen/Osnabrück gut startete (13:9, 5. Minute), übernahmen die Huntestädter die Kontrolle (13:22; 9.). Zwar gelang zwischenzeitlich der Ausgleich (24:24; 13.). Doch zur Pause betrug der Rückstand wieder sieben Zähler (33:40). Mit einer aggressiven Manndeckung über das gesamte Spielfeld kämpften sich die Gastgeber zurück und übernahmen sogar die Führung (52:51; 28.). Mit 55:56 ging es in das Schlussviertel. Bis zur 35. Minute blieb es bei einem knappen Rückstand (64:66). Dann rissen Jonah Wiendieck und Radion Gross die Partie offensiv wie defensiv an sich. Beide erzielten jeweils fünf Punkte und brachten ihre Gegenspieler zur Verzweiflung. Die Halle stand nach dem 74:69-Sieg Kopf. „Das Spiel hat jeden Zuschauer gefesselt. Es war ein Erfolg des ganzen Teams. Eine Verteidigungsleistung wie in der zweiten Halbzeit habe ich von meinen Jungs noch nicht gesehen. Die Zuschauer haben uns zum Sieg gepusht“, so Herrmann.

Im Endspiel kam es erneut zum Aufeinandertreffen mit Quakenbrück. Obwohl der Rivale nun auf viele Spieler des Nachwuchs-Bundesliga-Teams verzichten musste, erwies sich der TSV immer noch als zu stark. „Leider hatten wir einen Durchhänger nach dem Seitenwechsel. Im vierten Spiel binnen 27 Stunden werden dann auch die Beine schwer, um wieder einen Rückstand aufzuholen zu können. Außerdem hatten wir unseren emotionalen Höhepunkt nach dem Halbfinale, die Luft war am Ende einfach raus. Quakenbrück ist  verdient Landesmeister geworden“, urteilte der Trainer.

Vor der Übergabe der Medaillen dankte Abteilungsleiter Volker Hensel den jungen Korbjägern, den Zuschauern sowie dem Organisations-Team mit Melanie und Holger Heyna an der Spitze. Auch Winfried Beckmann als Kenner des Basketballs war begeistert von dem Turnier. Er lobte die stets fairen jungen Männer, die großartige Atmosphäre und die Bereitschaft des TuS und des BBC Osnabrück, auch mal über den Tellerrand hinauszuschauen und die Kräfte zu bündeln.

Nach dem Spiel und am Montag hat Lars Herrmann viele aufmunternde Nachrichten bekommen und lobende Worte von Zuschauern für sein Team gehört: „Am Samstagabend waren viele Leute zum ersten Mal bei einem Basketballspiel. Am Sonntag waren sie wieder da. Unsere U18 hat mit ihrer Spielweise und ihrem Auftreten eine Begeisterung ausgelöst, die nicht zu beschreiben ist. Das ist eigentlich viel wertvoller als jeder Titel.“

Mit der Finalteilnahme hat sich Bad Essen/Osnabrück für die norddeutsche Meisterschaft am 30. April/1. Mai qualifiziert. Dann gibt es eventuell die Möglichkeit zur Revanche gegen Quakenbrück – und eine weitere Chance auf einen Titel.

 

Fotos: Helge Holz (Wittlager Kreisblatt)