BBC Osnabrück: Mit 16 Teams in die neue Saison


Osnabrück. Vor etwas mehr als einem Jahr hat Jörg Scherz mit anderen Mitstreitern den BBC Osnabrück gegründet. Im Interview spricht er über die Entwicklung und Perspektiven des Vereins, der in der kommenden Saison mit 16 Teams am Spielbetrieb teilnehmen will – was auch dank Unterstützung aus Frankreich möglich wird.
Herr Scherz, auf der Jahreshauptversammlung des BBC haben Sie den Vereinsvorsitz abgegeben. Waren Sie nach einem Jahr schon amtsmüde?
Nein, das nicht. Aber wir haben es auf der Versammlung so verglichen: Wir im Vorstand sind uns in den letzten Monaten manchmal vorgekommen wie alleinerziehende Eltern. Da war es mal an der Zeit, die Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen. Und ganz ehrlich: Ich bin kein Funktionär, sondern stehe viel lieber in der Halle und trainiere. Hinzu kommt: Ich habe immer versucht, es allen recht zu machen. Mal ein Machtwort zu sprechen, wie es sich für einen Vorsitzenden gehört, ist mir nicht ganz so leicht gefallen.

Der BBC ist Ihr Kind, aber es war nicht schwer für Sie, Verantwortung abzugeben?
Im Gegenteil, ich bin sogar erleichtert. Das letzte Jahr war hart. Ich habe zwei Mädchen-Mannschaften trainiert, während der Saison noch eine dritte übernommen und fast jeden Tag in der Halle gestanden. Und dabei habe ich ja noch einen Hauptberuf, da war es zeitlich schon sehr eng. Hinzu kommen die ganzen administrativen Aufgaben in einem Verein. Da haben wir mit einer neuen Organisationsstruktur jetzt einen Schritt nach vorne gemacht. Es gibt weiterhin die drei Vorstandsposten, die gut besetzt sind, aber nun auch den erweiterten Vorstand, in dem jeder Ressortleiter für einen Aufgabenbereich zuständig ist. Und wir haben zum Glück ganz viele Menschen gefunden, die mitarbeiten wollen.

Sie wollen sich auf das Traineramt beschränken?
Das war und ist immer mein Kern und ich bin sehr zufrieden, was wir im Kinder- und Jugendbereich geschafft haben. Entgegen einigen Prophezeiungen haben wir es nicht nur geschafft, die Saison mit allen Mannschaften durchzuhalten, sondern uns mit mehreren Teams für die Landesmeisterschaft qualifiziert. Unsere weibliche U17 und die männliche U16 in Kooperation mit dem TuS Bad Essen ist bei der Norddeutschen Meisterschaft jeweils Dritter geworden. Das spricht für viel Talent, aber auch für eine gute Trainingsarbeit.

Vor einem Jahr sind Sie mit wenigen Gründungsmitgliedern angetreten. Inzwischen hat der Klub mehr als 170 Mitglieder.
Am Anfang waren wir 14, jetzt sind wir sogar schon bei gut 180 und bis Weihnachten – spätestens – streben wir die 200-Mitglieder-Marke an. Zusätzlich gehen wir bei den Jungen mit einer U8 und bei den Mädchen mit einer U9 ins Rennen. Im vergangenen Jahr hatten wir dazu nicht das Personal und hätten uns das noch nicht zugetraut. Wir haben gesagt: Wir machen nur das, was wir auch schaffen können.

Müssen Sie sich manchmal kneifen, um festzustellen, dass das nicht nur ein Traum, sondern Realität ist?
Das nicht. Aber ich muss mich manchmal kneifen, um die 80 Prozent zu sehen, die positiv sind. Natürlich gibt es auch mal Negatives und Stress im Verein. Da muss ich mir dann manchmal sagen: Das sind Kleinigkeiten, die dazugehören – das kriegen wir auch noch hin. Ein Beispiel: Sie müssen in Osnabrück um jede Hallenzeit kämpfen. Um das zu betonen: Mit dem Sportamt der Stadt sind wir sehr zufrieden. Dort wird alles getan, um allen gerecht zu werden, aber natürlich kämpft jede Sportart um ihre Zeiten. Als Hallensportler sieht man es dann ungern, wenn Außensportler wie Fußballer im Winter in die Hallen kommen, aber auch da muss man sagen: Das ist logisch, die müssen im Winter auch trainieren. Als kleiner Verein hat man da aber durchaus zu kämpfen. Das Verhältnis der Vereine ist in Osnabrück nicht ganz einfach.

In der kommenden Saison wollen Sie statt mit acht gleich mit 16 Teams am Spielbetrieb teilnehmen – noch eine Herausforderung für einen kleinen Verein wie den BBC.
Das fängt schon bei den Schiedsrichtern an, aber da sind wir gut aufgestellt. Und die 16 Mannschaften konnten wir nur melden, weil wir alle Mannschaften mit Trainern besetzen können. Im letzten Jahr haben wir gleich mit der Ausbildung angefangen. Sechs Trainer haben den D-Schein, die unterste Lizenz, erworben. Hinzu kommen auch zwei FSJler, die am 1. September bei uns anfangen, und Mannschaften trainieren. Von der Stelle, wo wir uns als FSJ-Anbieter registriert hatten, kam die Anfrage, ob wir auch jemanden aus dem Ausland nehmen würden. Wir bekommen nun Unterstützung aus Frankreich, der Junge spielt seit seinem fünften Lebensjahr Basketball. Das war Glück, so etwas gehört dazu.

Ihr Fazit nach einem Jahr BBC Osnabrück lautet dennoch: „Die Gründung hat sich gelohnt“?
Absolut. Was wir so genießen: Bei uns ziehen alle an einem Strang, und wenn wir zusammensitzen freuen wir uns, dass alle dasselbe wollen: Den Basketball voranbringen und weiter etablieren. Das gelingt uns als Ein-Spartenverein ganz gut. Da gibt es keinen Neid zwischen den Teams, auch wenn sie sich mal Hallenzeiten teilen und gemeinsam in einem Teil der Halle trainieren müssen.

Bei allen Herausforderungen fehlt es nicht an sportlichen Zielen. Aushängeschild sind die Frauen in der 2. Regionalliga.
In der Mannschaft sind mehrere Spielerinnen, die in der Jugend Deutsche Meister geworden sind, Durchschnittsalter 18 Jahre, alle sind sehr gewillt. Wir machen keine Vorgaben, aber auch die Spielerinnen sind ambitioniert: Wir haben uns zum Ziel gesetzt, unter die ersten beiden Plätze zu kommen und eine Chance zu haben, in die 1. Regionalliga aufzusteigen. Das ist bei den Frauen und Männern das Ziel: Ohne Druck zu spielen, aber kontinuierlich und kontrolliert aufzusteigen. Das ist aber nicht alles: Auch der Breiten- und Freizeitsport bei den Erwachsenen soll nicht vernachlässigt werden. Vor allem steht aber die Jugendarbeit. Wir wollen Kinder und Jugendliche qualifiziert und verlässlich gut trainieren. In der kommenden Saison spielen fünf Mannschaften in der Landesliga, das ist die höchste Klasse in Niedersachsen.

Und damit soll noch nicht Schluss sein: Sie haben vor Kurzem verkündet, dass der BBC in der Saison 2016/17– gemeinsam mit dem TuS Bad Essen und dem OTB –in der U16-Bundesliga (JBBL) spielen soll.
Wir dieses Projekt in Angriff nehmen, am 13. September gibt es dazu ein Try-Out-Training der Jahrgänge 2001/02. Die Qualifikation für die JBBL ist nicht leicht, aber wir glauben, es lohnt sich, das auszuprobieren. Wir haben so viele talentierte Spieler, dass wir es angehen.

Sollte das gelingen, würden Sie unter anderem auf Nachwuchs-Teams von Bundesligisten treffen…
Das Ziel ist absolut ambitioniert. Aber wir tun den jungen Spielern auch keinen Gefallen, wenn sie zu früh über weite Distanzen nach Quakenbrück oder Vechta zum Training fahren müssen. In dieser Region wäre es wahrscheinlich sogar ganz reizvoll, wenn es in Osnabrück noch einen weiteren JBBL-Standort gäbe.